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Methodensteckbrief "Bohrungen"
#1
"Das Gebirge ist durch gegenwärtige oder frühere bergbauliche Tätigkeit so geschä­digt, dass daraus negative Einflüsse auf den Spannungszustand und die Permeabilität (Durchlässigkeit) des Gebirges im Bereich eines vorgesehenen einschlusswirksamen Gebirgsbereichs oder vorgesehenen Endlagerbereichs zu besorgen sind; vorhandene alte Bohrungen dürfen die Barrieren eines Endlagers, die den sicheren Einschluss gewährleisten, in ihrer Einschlussfunktion nachweislich nicht beeinträchtigen"; Quelle: § 22 Abs. 2 Ziff. 3 Standortauswahlgesetz (StandAG)

Was ist eine Bohrung?

Eine geologische Bohrung wird mithilfe von speziellem Gerät, wie Bohrturm, Gestänge und Meißel, in den Untergrund getrieben (abgeteuft). Sie dient typischerweise der geologischen Erkundung des Untergrundes, der Förderung von Rohstoffen, der Grundwassergewinnung, der Sanierung von Grundwasser- und Bodenkontaminationen, der Schaffung von Tiefenspeichern oder der Nutzung von Erdwärme.

Warum werden Bohrungen von der Endlagersuche ausgeschlossen?

Der Ausschluss von Bohrungen und Bergwerken wird im Standortauswahlgesetz (StandAG) mit dem Ausschlusskriterium „Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit“ geregelt. Da für den Ausschluss von Bohrungen und Bergwerken eine unterschiedliche Herangehensweise erforderlich ist, stellen wir Ihnen die jeweiligen Ausschlussmethoden getrennt vor. Dieser Steckbrief bezieht sich auf die Ausschlussmethodik für Bohrungen.

Gemäß StandAG dürfen vorhandene Bohrungen die Einschlussfunktion der geologischen Barriere über den Nachweiszeitraum von einer Million Jahre nicht beeinträchtigen.

"Gebirgsbereiche, in denen bereits Bohrungen vorgenommen wurden, dürfen nur dann als Teil einer geologischen Barriere für das Endlager eingeplant werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Einschlussfunktion hierdurch nicht beeinträchtigt wird. Dies gilt insbesondere für den einschlusswirksamen Gebirgsbereich." Quelle: Bundestag-Drucksache 18/11398, S. 68


Da dieser Nachweis (vgl. Bundestag-Drucksache 18/11398, S. 68) sehr schwer zu erbringen ist, werden alle Bohrungen, die in den endlagerrelevanten Bereich (>300 m Tiefe) hinein abgeteuft wurden, ausgeschlossen. Gebirgsbereiche, in denen bereits Bohrungen vorgenommen wurden, dürfen nur dann als Teil einer geologischen Barriere für das Endlager eingeplant werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Einschlussfunktion hierdurch nicht beeinträchtigt wird. (Quelle: Begründungstext StandAG, DS 18/11398)

Ein Großteil der weiteren vorhandenen Bohrungen wird aufgrund geringerer Endteufe (Endtiefe) im Ausschlussverfahren nicht weiter berücksichtigt. Es bleiben trotzdem noch mehrere zehntausend Bohrungen übrig, die für das Ausschlussverfahren relevant sind und im Folgenden als Tiefbohrungen bezeichnet werden.

Tiefbohrungen werden typischerweise unter Einsatz schwerer Bohrspülung abgeteuft, um u.a. auf diese Weise den Überdruck im Untergrund zu kompensieren und unkontrollierte Gasaustritte (Blowouts) zu verhindern. Durch den Bohrvorgang und die Bohrspülung wird das umgebende Gestein im Bereich um die eigentliche Bohrung herum mechanisch, hydraulisch, thermisch und chemisch beeinflusst. Es gibt diverse Vorgaben und Regelungen (z.B. Bundes­berggesetz (BBergG), Wasserhaushaltsgesetz (WHG), Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG)), welche den gesamten Ablauf der Bohrung und dabei zu verwendende Schutzmaßnahmen regeln. Für bergrechtliche Genehmigungen sind die Bergämter verantwortlich. Wesentlich ist vor allem die Verrohrung (Casing), die bereits während des Abteufens der Bohrung erfolgt und entsprechend der einzelnen Sektionen der Bohrungen mit abnehmenden Durchmessern (teleskopierend) vorgenommen wird. Zwischen Verrohrung und Bohrlochwand wird Zement eingebracht, um den Ein- und Austritt von Fluiden zu vermeiden und die Trennung verschiedener Schichten zu gewährleisten. Auf diese Weise soll die Kontamination oberflächennahen Grundwassers ausgeschlossen und vor allem die Stabilität des Bohrlochs sichergestellt werden.

Trotz aller Vorkehrungen sind sowohl Änderungen im lokalen Spannungsfeld als auch lokale Permeabilitätsveränderungen (Veränderung der Durchlässigkeit) im Gebirge nicht zu vermeiden. Der Einwirkungsbereich, in dem von einer dauerhaften Schädigung / Veränderung des Gebirges durch den Bohrvorgang ausgegangen werden kann, wird, abhängig vom gebohrten Durchmesser, nach Literaturangaben (Zoback, 2007; Gudmundsson, 2011) auf etwa einen Meter um das Bohrloch herum abgeschätzt, wobei die Zerrüttungszone auch stark vom Umgebungsgestein abhängt. Je nach Art der Bohrung wurden während des Bohrvorgangs multiple Tests durchgeführt, Bohrungen hydraulisch oder chemisch stimuliert oder durch Förderung, Verpressung und Sidetracks lange Zeit betrieben. Dadurch ist der Bereich der dauerhaften Schädigung des Gebirges deutlich größer.

So will die BGE das Ausschlusskriterium Bohrungen anwenden
(Sollte sich auf Grundlage von Fachdiskussionen die Notwendigkeit einer methodischen Anpassung ergeben, kann der hier gezeigte Zwischenstand von dem Ergebnis im Zwischenbericht Teilgebiete abweichen.)
 
Im Folgenden möchten wir Ihnen die Entwicklung und unseren aktuellen Stand der Erarbeitung der Ausschlussmethodik vorstellen. Dieser Zwischenstand kann vom Ergebnis im Zwischenbericht Teilgebiete abweichen.

Zunächst war geplant, jede Bohrung, die eine Teufe von mehr als 100 Meter erreicht, einzeln auf ihren Zustand zu überprüfen. Es sollten nur offene Bohrungen und solche, bei denen besondere Vorkommnisse, wie Havarien oder Fracs (hydraulische Risserzeugungen), dokumentiert wurden, mit einem 1,5-Meter-Radius um den Bohrpfad ausgeschlossen werden. Zur Darstellung auf einer 2D-Karte sollte der Bohrpfad an die Oberfläche projiziert und der 1,5-Meter-Ausschlussradius um diesen herum schlauchförmig dargestellt werden.

Später wurde die Methodik auf den heutigen Stand aktualisiert. Nun ist geplant, alle Bohrungen, die eine Teufe von mehr als 300 Meter erreichen, mit einem Radius von 25 Meter um den gesamten Bohrpfad auszuschließen. Dieser Ausschlussradius soll neben dem direkt aufgebohrten Bereich und dem geschädigten Einwirkungsbereich um das Bohrloch auch die Lageungenauigkeit der Bohrung im Untergrund berücksichtigen. Die Lageungenauigkeit setzt sich aus Koordinatenungenauigkeiten des Bohransatzpunktes und der unterschiedlichen Qualität der Ablenkmessungen des Bohrpfades zusammen. Diese 25 Meter sind eine erste Abschätzung über mögliche Abweichungen des Bohrpfads zum idealen Verlauf inklusive des Schädigungsbereichs um eine Bohrung. Diese Ausschlusstechnik ist in der angehängten 3D-Grafik dargestellt.


Abbildung Bohrungen (PDF)

Aufgrund der Darstellungsproblematik eines 3D-Objektes auf einer 2D-Karte werden zwei verschiedene Darstellungsmethoden gezeigt. Bei einer annähernd vertikalen Bohrung, die den gesamten endlagerrelevanten Bereich durchstößt, wird der Bohransatzpunkt mit einem Radius von 25 Metern als ausgeschlossen dargestellt. Bei annähernd vertikalen Bohrungen, die den endlagerrelevanten Bereich nicht komplett durchteufen oder bei Bohrungen mit einem abgelenkten Bohrverlauf wird der Bohrpfad samt 25 Meter Ausschlussradius an die Oberfläche projiziert und dort in einer gesonderten Kategorie markiert. Diese zeigt, dass im Untergrund ein ausgeschlossenes 3D-Objekt vorhanden ist, der Ausschlussbereich allerdings an keiner Stelle für den gesamten endlagerrelevanten Teufenbereich gilt.

Im weiteren Verlauf des Verfahrens, nach der Veröffentlichung des Zwischenberichts Teilgebiete, wird eine genauere Betrachtung von Bohrungen vorgenommen, die in den Teilgebieten liegen. In diesen Fällen muss u. a. die Nutzung der Bohrungen genauer betrachtet werden. Je nach Nutzungsart der Bohrungen können, wie oben beschrieben, auch wesentlich weiträumigere Gebirgsschädigungen um den Bohrpfad entstanden sein. Das auszuschließende Volumen um den Bohrpfad würde sich dann entsprechend vergrößern.

Konsultation zur Anwendung des Ausschlusskriteriums
Gerne möchten wir die Anwendung des Ausschlusskriteriums „Bohrungen“ mit Ihnen diskutieren. Haben Sie Fragen oder Anregungen zum Verfahren oder Erkenntnisse, die uns bei der Anwendung helfen können? Teilen Sie uns diese mit.

Literaturverzeichnis
  • Drucksache des Deutschen Bundestages 18/11398 vom 07.03.2017: Entwurf eines Gesetzes zur Fortentwicklung des Gesetzes zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle und anderer Gesetze.
  • Gudmundsson, A., 2011. Rock Fractures in Geological Processes. Cambridge University Press, New York.
  • Zoback, M.D., 2007. Reservoir Geomechanics. Cambridge University Press, New York.
  • Standortauswahlgesetz vom 5. Mai 2017 (BGBl. I S. 1074), das zuletzt durch Artikel 2 Absatz 16 des Gesetzes vom 20. Juli 2017 (BGBl. I S. 2808) geändert worden ist.


Angehängte Dateien
.pdf   Abbildung_Bohrungen.pdf (Größe: 191,59 KB / Downloads: 147)
.pdf   Steckbrief_Bohrungen_barrierefrei.pdf (Größe: 167,52 KB / Downloads: 137)
#2
Danke für die kompakte und schlüssige Darstellung. Meine Frage: Ist es wirklich unvermeidlich die 3D-Gesteinsbereiche auf einer 2D-Karte abzubilden? Denn jede 2D-Karte, die irgendwann im Zwischenbericht Teilgebiete und anschließend in der Tagesschau auftaucht, vermittelt optisch einen falschen Eindruck. Viele Betrachter werden intuitiv annehmen, dass die projizierte Fläche an der Oberfläche besonders bedroht sei und alle anderen Gebiete überhaupt nicht.

Um die Diskussion vor einer solchen Fehlwahrnehmung zu schützen, wäre zu überlegen, ob man ausschließlich auf 3D-Darstellungen setzt. Das wäre graphisch eine gewisse Herausforderung, aber in Zeiten von Geoinformationssystemen (und 3D-Game-Welten) keine unlösbare Aufgabe. Der Effekt wäre, dass die Betroffenheit sich nicht auf das projizierte 2D-Gebiet fokussiert, sondern sich eine ehrlichere Diskussion über langfrisitige Risiken und Lasten in ganz Deutschland ergibt.

Durch die karthographische Darstellung kann man beeinflussen, ob "der Atommüll in einer Region abgeladen wird" oder als Verantwortung für alle Menschen in Deutschland und Europa behandelt wird.
#3
Für mich stellt sich folgende Frage: Wie kann bei verrohrten Bohrungen sichergestellt werden, dass die Integrität des Casings gewährleistet ist? Das trifft auch auf die Zementation des Ringraumes zu. Herkömmliche Dämmer oder Verfüllzemente können keine Zugspannungen aufnehmen. Hinzu kommen chemische Angriffen über lange Zeitäume.
Wenn mit Bohrungen geologische Störungen oder geöffnete Klüfte durchteuft wurden, wird eine Beschränkung auf einen Sicherheitsabstand von 25 m mindestens zu hinterfragen sein.
#4
(21.11.2019, 13:12)haans schrieb: Danke für die kompakte und schlüssige Darstellung. Meine Frage: Ist es wirklich unvermeidlich die 3D-Gesteinsbereiche auf einer 2D-Karte abzubilden? Denn jede 2D-Karte, die irgendwann im Zwischenbericht Teilgebiete und anschließend in der Tagesschau auftaucht, vermittelt optisch einen falschen Eindruck. Viele Betrachter werden intuitiv annehmen, dass die projizierte Fläche an der Oberfläche besonders bedroht sei und alle anderen Gebiete überhaupt nicht.

Um die Diskussion vor einer solchen Fehlwahrnehmung zu schützen, wäre zu überlegen, ob man ausschließlich auf 3D-Darstellungen setzt. Das wäre graphisch eine gewisse Herausforderung, aber in Zeiten von Geoinformationssystemen (und 3D-Game-Welten) keine unlösbare Aufgabe. Der Effekt wäre, dass die Betroffenheit sich nicht auf das projizierte 2D-Gebiet fokussiert, sondern sich eine ehrlichere Diskussion über langfrisitige Risiken und Lasten in ganz Deutschland ergibt.

Durch die karthographische Darstellung kann man beeinflussen, ob "der Atommüll in einer Region abgeladen wird" oder als Verantwortung für alle Menschen in Deutschland und Europa behandelt wird.

Danke für Ihren Diskussionsbeitrag, haans. Wir werden den Vorschlag in unsere Diskussion einbeziehen. Wie Sie richtig feststellen, ist eine vollständige 3D-Darstellung eine technische Herausforderung. Vielleicht geht sie bei der ersten Datenauswertung auch noch etwas zu weit, weil sie eine Präzision vorgibt, die noch gar nicht gegeben ist.
Die Notwendigkeit der 2D-Darstellung ergibt sich allerdings aus dem Standortauswahlgesetz. Im §21 sind die Sicherungsvorschriften für die Teilgebiete formuliert. Deshalb muss tatsächlich klar sein, ob ein Ort, ein Feld oder ein Haus im Teilgebiet liegt oder nicht. Denn dort greifen die Sicherungsvorschriften, die aktuell bezogen auf die weiße Deutschlandkarte ja dazu führen, dass jedes Bohrvorhaben vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) genehmigt werden muss.
Für das Verständnis können 3D-Darstellungen aber gewiss wichtig werden. Deshalb nehmen wir Ihre Anregung auch gerne in die Diskussion auf, bei der es um die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse im Zwischenbericht Teilgebiete der BGE gehen wird.
Wir verstehen Ihren Diskussionsbeitrag als generelle Empfehlung, die sich nicht ausschließlich auf das Ausschlusskriterium Bergbau und den Sonderfall Bohrungen bezieht.
#5
(26.11.2019, 14:44)Curo schrieb: Für mich stellt sich folgende Frage: Wie kann bei verrohrten Bohrungen sichergestellt werden, dass die Integrität des Casings gewährleistet ist? Das trifft auch auf die Zementation des Ringraumes zu. Herkömmliche Dämmer oder Verfüllzemente können keine Zugspannungen aufnehmen. Hinzu kommen chemische Angriffen über lange Zeitäume.
Wenn mit Bohrungen geologische Störungen oder geöffnete Klüfte durchteuft wurden, wird eine Beschränkung auf einen Sicherheitsabstand von 25 m mindestens zu hinterfragen sein.

Vielen Dank für Ihre Frage und Ihre Anmerkung, Curo. Die BGE kann in der aktuellen Phase des Verfahrens, in der es darum geht Teilgebiete zu identifizieren, den aufwendigen Nachweis der Integrität von Verrohrung und Zementation nicht bei allen ca. 40.000 endlagerrelevanten Bohrungen führen. Nach derzeitigem Stand ist geplant, alle Bohrungen, die in den endlagerrelevanten Bereich (> 300 m) hineingebohrt wurden, mit einem Radius von 25 m auszuschließen.
 
Im nächsten Verfahrensschritt „Ermittlung von Standortregionen und abschließend Ermittlung von möglichen Standorten“ (nach StandAG müssen die Ausschlusskriterien in jedem Verfahrensschritt erneut angewandt werden) wird eine detaillierte Betrachtung von Bohrungen, die in Teilgebieten bzw. Standortregionen liegen, vorgenommen. Wenn es Hinweise auf besondere Umstände oder Vorkommnisse gibt, wird der Ausschlussbereich anschließend ggf. vergrößert.
#6
Liebe Mitglieder des BGE-Forums,
Wir freuen uns sehr, dass sich bereits so viele Nutzer im Forum angemeldet und das Methodenpapier gelesen haben. Gern möchten wir noch einmal alle dazu ermuntern, uns Einschätzungen zur geplanten Ausschlussmethodik „Bohrungen“ mitzuteilen. Wir freuen uns sehr über Anregungen und Fragen, aber auch über Kritik. Fühlen Sie sich frei und kommentieren Sie!
Ihre BGE
#7
Ich habe Fragen zu den abgelenkten Bohrungen:

Welche technischen Methoden werden genutzt, um den Verlauf der Bohrung im 3D-Raum zu positionieren, also wie wird die aktuelle räumliche Lage des Bohrkopfes festgestellt?
Welche Vertrauensbereiche der unterschiedlichen Methoden(?) der Positionsbestimmungen werden angegeben?
Ist der Vertrauensbereich (Fehlerbreite bei Standardabweichung) von der Bohrlänge abhängig, nimmt die Fehlerbreite mit der Bohrlänge zu?
Welchen Vertrauensbereich setzt die BGE in der Regel fest?
#8
Ausschlüsse haben für alle Bohrungen, die eine Teufe von mehr als 275 Meter (nicht 300) erreichen, zu erfolgen. Da mit dem 25 Meter Radius vom Ende der Bohrung aus bereits hier der endlagerrelevante Bereich (> 300 m) betroffen ist. Siehe dazu auch Ihre Abbildung, die den Ausschluss unterhalb des (erwarteten) Endes der Bohrung visualisiert.
#9
(03.01.2020, 10:36)endlagerdialog.de schrieb: Ich habe Fragen zu den abgelenkten Bohrungen:

Welche technischen Methoden werden genutzt, um den Verlauf der Bohrung im 3D-Raum zu positionieren, also wie wird die aktuelle räumliche Lage des Bohrkopfes festgestellt?
Welche Vertrauensbereiche der unterschiedlichen Methoden(?) der Positionsbestimmungen werden angegeben?
Ist der Vertrauensbereich (Fehlerbreite bei Standardabweichung) von der Bohrlänge abhängig, nimmt die Fehlerbreite mit der Bohrlänge zu?
Welchen Vertrauensbereich setzt die BGE in der Regel fest?

Lieber endlagerdialog.de,
vielen Dank für Ihre Fragen. Beim Richtbohren wird heutzutage die Position des Bohrkopfes mit Hilfe eines MWD (measuring while drilling) –Systems bereits während des Bohrens bestimmt. Hierbei wird beim Bohren hinter dem Bohrkopf ein Messtool mitgeführt, das Neigung und Einfallsrichtung bestimmen kann (z.B. durch ein magnetisches Messsystem). Im Nachgang wird die Bohrung in der Regel noch einmal mit Hilfe von Messsonden vermessen. Für die Positionierung der Bohrverläufe im 3D-Raum werden die Datenlieferungen der einzelnen Länder herangezogen, die je nach Bohralter auf Basis der zu der Zeit gängigen Methoden ermittelt wurden. Teilweise liegen uns bereits fertig konstruierte Bohrpfade vor, teilweise wurden zu den Bohrungen die Messungen der Abweichung in Form von gemessener Tiefe, Einfallswinkel und Einfallsrichtung des Bohrpfades geliefert. Zum Teil sind lediglich über den Bohrpfad gemittelte Werte vorhanden.
Für die Konstruktion des Bohrlochverlaufes aus diesen Messdaten hat sich die BGE für die Anwendung der in der Mineralölindustrie gängigen „Minimum Curvature“-Methode entschieden. Bei der Methode wird der Bohrpfad zwischen den einzelnen Messpunkten in Form eines Bogens konstruiert.
Bohrungen, die in einem identifizierten Teilgebiet liegen, werden im weiteren Verfahren genauer betrachtet. Hierbei werden auch die Messungen der Abweichung berücksichtigt. Es ist richtig, dass die Fehlerbreite mit zunehmender Länge des Bohrpfades größer werden kann. Eine wichtigere Rolle spielt hier jedoch die Datendichte der einzelnen Messungen, je kleiner die Abstände zwischen den einzelnen Messungen sind, desto genauer kann der Bohrpfad konstruiert werden. Der genaue „Vertrauensbereich“ ist nicht endgültig festgelegt, und steht noch zur Diskussion. Hierfür müssen die Bohrungen individuell betrachtet werden. Der im Methodensteckbrief beschriebene Ausschlussradius von 25 Metern um den Bohrpfad berücksichtigt eine erste Lageungenauigkeit. „Die Lageungenauigkeit setzt sich aus Koordinatenungenauigkeiten des Bohransatzpunktes und der unterschiedlichen Qualität der Ablenkmessungen des Bohrpfades zusammen. Diese 25 Meter sind eine erste Abschätzung über mögliche Abweichungen des Bohrpfads zum idealen Verlauf…“ (BGE 2019: Methodensteckbrief „Bohrungen“).

Viele Grüße, Ihre BGE

(06.01.2020, 15:17)Königin schrieb: Ausschlüsse haben für alle Bohrungen, die eine Teufe von mehr als 275 Meter (nicht 300) erreichen, zu erfolgen. Da mit dem 25 Meter Radius vom Ende der Bohrung aus bereits hier der endlagerrelevante Bereich (> 300 m) betroffen ist. Siehe dazu auch Ihre Abbildung, die den Ausschluss unterhalb des (erwarteten) Endes der Bohrung visualisiert.

Hallo Königin,
vielen Dank für Ihre Anregungen. Sie haben Recht, dass bei einem Ausschlussradius von 25 Meter um den Bohrpfad auch Bohrungen betroffen sind, die in einer geringeren Tiefe als 300 m enden. In unserem bisherigen Diskussionsstand sind wir davon ausgegangen, den Ausschlussradius von 25 m um den Bohrpfad nur bei Bohrungen anzuwenden, die eine Endteufe von 300 m oder tiefer erreichen. Konsequenterweise müssen auch Bohrungen ab einer Teufe von 276 m ausgeschlossen werden, da der Ausschlussradius in den endlagerrelevanten Bereich hineinragt. Wir werden Ihre Ausführungen in unsere weitere Diskussion mit einbeziehen. Viele Grüße, die BGE.

Liebe Nutzerinnen und Nutzer des Forums,

die Konsultation zum Ausschlusskriterium „Bohrungen“ ist jetzt abgeschlossen. Vielen Dank für Ihre Beiträge, die uns bei der Anwendung der Ausschlussmethodik sehr helfen. Mitte Januar starten weitere Konsultationen zu den Kriterien „Vulkanische Aktivität“ und „Seismizität“.

Fragen und Anmerkungen zum Standortauswahlverfahren können Sie uns natürlich jederzeit auch unter dialog@bge.de mitteilen.
Viele Grüße, Ihre BGE
#10
Liebe Nutzerinnen und Nutzer des Forums,
zu den Bohrungen haben uns über das E-Mail-Webformular noch folgende Fragen erreicht, die wir hiermit (inklusive der Antworten) nachreichen:

1. Wird es eine Ausschlussmethodik "Störungen" geben ?

Antwort BGE: Ja, wir werden auch die Methodik für das Kriterium „aktive Störungszonen“ diskutieren. Nach derzeitiger Planung im März/ April. Wir stellen die Ausschlussmethodik nacheinander zur Diskussion. Als nächste Themen sind Seismizität und Vulkanismus an der Reihe.

2. Wenn ja: "Wieviel Zeit gewährt die BGE dem interessierten Bürger in der Kommentierungsphase?"

Antworte BGE: Für jedes Kriterium dauert die Online-Konsultation im BGE-Forum 6 Wochen. Wenn nach Schließung der Onlinekonsultation noch Anregungen oder Anmerkungen gemacht werden sollen, können Sie diese gerne an die Adresse dialog@bge.de schicken. Von dort werden sie ebenfalls in die weitere Arbeit des Bereichs Standortauswahl eingespeist, oder wenn es sich um Fragen handelt, beantwortet.

3. Die Bohrungsinformationen sind für die Ermittlung der genauen dreidimensionalen Lage von Störungen wohl nur begrenzt geeignet. Welche Methoden sollen bei der Detektion von Störungen genutzt werden ?

Antwort BGE: Der Steckbrief zum Ausschluss aktiver Störungszonen wird Ende März fertig sein. Bis dahin bitten wir noch um ein wenig Geduld.

4. Sehr geehrte BGE-Verantwortliche, eine Kommentierungsphase von exakt 48 Tagen inklusive Weihnachten und Neujahr lässt ernsthafte Zweifel an dem Interesse seitens der BGE an einer echten Bürgerbeteiligung aufkommen. Dieses auch deshalb, weil ausser dem Themenkomplex Bohrungen bisher keinen weiteren Methodiken erwähnt werden. Oder hab ich da etwas übersehen ?

Antwort BGE: Wir werden alle Methodenpapiere zu den Ausschlusskriterien und auch zu den Mindestanforderungen und geowissenschaftlichen Abwägungskriterien online konsultieren.
Das Teilkriterium Bohrungen war unser Pilotprojekt für die Onlinekonsultation. Nachdem die BGE nun erste Erfahrungen gesammelt hat, werden wir bei der Eröffnung des nächsten Diskussionsstrangs auch den weiteren Verlauf der Onlinekonsultation umreißen, damit sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums sowie alle anderen Interessierten besser auf die Methodendiskussion vorbereiten und einstellen können. Die sechs Wochen Konsultationsfrist sollen die Kompaktheit der Diskussion unterstützen und ermöglichen. Die Ausschlussmethodiken sind aber durchaus in einem relativ kurzen Zeitraum diskutierbar. Die Schließung des Forums bedeutet im übrigen nicht, dass der Dialog damit beendet ist. Unter dialog@bge.de können Interessierte ihre Anmerkungen und Hinweise jederzeit in die weitere Arbeit der BGE „einspeisen“.


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